[2017-07-08/10] SEV Kalscheuren - Derkum

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bluesbrother
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[2017-07-08/10] SEV Kalscheuren - Derkum

Beitrag von bluesbrother » Dienstag 23. Mai 2017, 17:52

Wegen Erneuerung der Weichen 23 bis 25 in Erftstadt wird der Streckenabschnitt Erftstadt (einschl.) - Weilerswist-Derkum von Samstag, 08.07.2017 01:40h bis Montag, 10.07.2017 04:40h gesperrt.

Schienenersatzverkehr wird gemäß Fahrplanmedien zwischen Hürth-Kalscheuren und Derkum eingerichtet. In beiden Fahrtrichtungen verlängert sich die Reisezeit um 60 Minuten. In der Fahrplanauskunft wird überwiegend auf die Verbindung über Bonn hingewiesen.

Die Züge Richtung Köln verkehren zwischen Euskirchen und Derkum auf dem Gegengleis.
Gleis 3 in Erftstadt wird aufgrund der Bauarbeiten vom 03.07.2017 bis 14.07.2017 für die Logistik und Montagen gesperrt.

Quelle: DB Netz AG

Aktualisierung 23.05.: SEV jetzt von Kalscheuren bis Derkum.
Zuletzt geändert von bluesbrother am Dienstag 23. Mai 2017, 17:49, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Berichtigung SEV
Gruß aus der Nordeifel!

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Re: [2017-07-08/10] SEV Kalscheuren - Derkum

Beitrag von Lupushortus » Dienstag 23. Mai 2017, 21:41

Dank des Nicht-Mehr-Bahnhofs Weilerswist enden die Züge nun in Derkum. Wäre es denn viel Aufwand gewesen, Weilerswist als eine Art Bahnhof ohne Weichen zu erhalten, so dass dort zumindest Zügen enden oder beginnen können? Wäre zwar mit vier bzw. neun Minuten Wendezeit etwas knapp geworden, aber besser, als mit dem Bus über die Dörfer zu kutschieren.

Und ja ich weiß, Bahnhof = ...Bahnanlagen mit mindestens einer Weiche....

Gruß
Marco

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Re: [2017-07-08/10] SEV Kalscheuren - Derkum

Beitrag von bluesbrother » Mittwoch 24. Mai 2017, 17:45

Das hätte den Bock auch nicht fett gemacht. Mit dem SEV-Bus sind es von Derkum nach Weilerswist gerade mal 8 Minuten Fahrtzeit und nur gerade über die zur Bahn parallel verlaufende Landstraße. Fahrplantechnisch wäre da auch nicht mehr Reisezeit einzusparen gewesen. Man muss das Baustellenmanagement der Bahn mal im Gesamten kritisch hinterleuchten. Früher wurde meistens während der Streckenruhe gearbeitet. Morgens konnten die Züge dann wieder fahren, wenn auch in der Regel mit verminderter Geschwindigkeit, bevor abends wieder gesperrt wurde. Zwar sind die Streckenruhen jetzt kürzer und die Bauarbeiten würden unter Umständen länger dauern, aber es dürfte sich trotzdem eine Kundenfreundlichere Variante finden lassen. Aber die kostet mehr, wenn ich da vor allem an die Nachtarbeit denke. Und Kosten scheut ja ein jeder. Auch wenn man mit dem ständigen SEV Kunden verliert.
Dazu gibt es übrigens im aktuellen Bahnreport (Heft 3/2017) einen ausführlichen Bericht.
Gruß aus der Nordeifel!

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Re: [2017-07-08/10] SEV Kalscheuren - Derkum

Beitrag von DER PLANER » Mittwoch 24. Mai 2017, 20:59

Die Weichen in Erftstadt werden nicht 1:1 erneuert, sondern es werden größere Weichen eingebaut, die im Abzweig mit 60 km/h befahren werden können. Daher ist der Umbauaufwand relativ hoch. Aufrund des geringen Gleisabstandes überschneiden sich zudem die Weichenschwellen, so dass die Weichen 24 und 25 nur "am Stück" eingebaut werden können. Eine eingleisige Betriebsführung während der Bauarbeiten ist nicht möglich.

An den Schienenersatzverkehr infolge von Baumaßnahmen wird man sich gewöhnen müssen, insbesondere auch im Bereich des Knoten Köln. Nicht nur der Oberbau und die Signalanlagen, sondern auch langlebige Infrastruktur wie z. B. zahlreiche Eisenbahnbrücken und -tunnel sind nach über 100 Jahren Nutzungszeit dringend erneuerungsbedürftig.

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Re: [2017-07-08/10] SEV Kalscheuren - Derkum

Beitrag von Lupushortus » Mittwoch 24. Mai 2017, 22:46

Mich würde mal interessieren, warum man in Erftstadt noch drei Gleise vorhält - was natürlich positiv ist, während woanders (=> z.B. Weilerswist) zurückgebaut wird. Denn Güterverkehr, der überholt werden müsste gibt es nicht mehr, und Personenzüge machen dort normalerweise nicht Kopf. Also nicht falsch verstehen.

Was Bluesbrothers Kommentar zum Baustellenmanagement angeht, kann ich nur beipflichten. Auf meiner "Stammstrecke" (S6, Streckennr. 2670) wird seit einem Jahr andauernd irgendwo gebuddelt, teils mit Komplett-Ausfall (SEV), oder "fahren sie bis zum übernächsten Bahnhof und dann wieder zurück", usw., weil hier Rammarbeiten, dort Gleiserneuerung, Oberleitungsarbeiten oder Verschwenkung eines Gleises um 20cm durchgeführt wird. Klar, muss alles sein, aber wenn man die Strecke schon für zwei Wochen komplett dicht macht, könnte man doch diverse Arbeiten gleichzeitig durchführen, vor allem, wenn sie an unterschiedlichen Stellen stattfinden. Hinzu kommen noch geschwächte Züge, weil die 422er zur spontanen Selbstentzündung neigen und 420er wohl bald auseinander fallen (hatte diesbezüglich mal ein Gespräch des Tf mit einem Kollegen mitbekommen - "den Hebel [welcher auch immer] musst Du ein paar mal drücken, beim ersten mal reagiert der oft nicht").

Ohne die möglichen Gründe zu kennen, warum es so ist, sehe ich als Fahrgast, dass die Leistung, die ich für deutlich über Inflation steigende Fahrpreise erhalte, immer schlechter werden.

Hab mal einen über 50 Jahre alten Bericht über eine Brückenerneuerung einer stark befahrenen Strecke irgendwo im Ländle gesehen - immer wieder wurde betont: "Der Fahrplan darf nicht beeinträchtigt werden". Gilt wohl heute nicht mehr. Ich möchte jetzt Leuten wie DER PLANER keine Vorwürfe machen - schließlich sind auch "Planer" nur ein Rädchen im großen Getriebe - und der Fisch stinkt bekanntermaßen vom Kopf (kommt aus Bayern, trägt dicke Hornbrillen und bevorzugt karierte Anzüge, ...). Aber als Fahrgast ist trotz aller Begeisterung für das System Bahn frustriert.

Genug Dampf abgelassen - und derzeit auf Rügen weilend ist eine Fahrt hiermit natürlich Pflicht:
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Re: [2017-07-08/10] SEV Kalscheuren - Derkum

Beitrag von DER PLANER » Donnerstag 25. Mai 2017, 08:16

In der Ära "Mehdorn" wurde leider sehr wenig in die bestehende Infrastruktur investiert, um die DB AG börsenfähig zu machen. Aber auch im Straßenbau wurden die Investitionen Ende der 1990er/Anfang der 2000er-Jahre zumindest im "Westen" stark zurückgefahren. Es besteht daher ein großer Nachholbedarf und das merkt man derzeit an zahllosen Baustellen im Bereich Straße und Schiene.

Durch die geringen Investitionen in der genannten Zeitraum mussten aber die Bauunternehmen und Ingenieurbüros ihre Kapazitäten leider anpassen. Vor 20 Jahren bekamen wir noch 20 bis 30 Angebote bei Auschreibung von Bauleistungen im Eisenbahnbereich. Heute sind es mit viel Glück zwei bis drei Angebote. Die Bahnsteigdächer in Bonn und Duisburg will z. B. auch kein Unternehmer unter den schwierigen Bedingungen (u. a. viel Nachtarbeit, kurze Arbeitsschichten usw.) für bezahlbares Geld sanieren.
Viele mittelständische Baufirmen haben inzwischen das Handtuch geworfen oder wurden von internationalen Großkonzernen übernommen. Spezielle Maschinen für den Gleisbau oder Spezialtiefbau sind nur begrenzt verfügbar. Ingenieure für Planung und Bauüberwachung stehen auch nicht uneingeschränkt zur Verfügung. Die Genehmigungsverfahren werden immer komplizierter. Wir kümmern uns zunehmend um Eidechsen (springen massenhaft im Schotter herum, wenn die Sonne scheint), Hamster und seltene bastadierte Gräser (früher nannte man das "Unkraut"), als um die Belange der Reisenden. Aus den genannten Gründen können mögliche parallele Projekte unter einer gemeinsamen Sperrpause oft gar nicht mehr gleichzeitig ausgeführt werden.

Und der Ingenieurnachwuchs an der Hochschule? Dem versuche ich nebenbei, im Rahmen von Übungen etwas Eisenbahntrassierung beizubringen. Aber die Studenten möchten nach ihrem Abschluss in der Regel lieber im Bereich "Management" arbeiten. Rechnen mit Zahlen (klassische Ingenieurarbeit) ist uncool.

Ein weiteres Problem sind die inzwischen sehr kurzen Zeiten mit Betriebsruhe. Bei der Bundesbahn war alles bessser? Ja stimmt, an der Voreifelbahn stand z. B. jedes Wochenende in der Nacht von Samstag auf Sonntag eine komplette Arbeitsschicht von 8 Stunden für Arbeiten an den Gleisanlagen zur Verfügung. Da konnte man mal eine verschlissene Weichenzunge wechseln, ohne dass die Reisenden etwas davon mitbekommen haben. Heute wird bis spät in die Nacht gefahren. Dadurch kommt es bei so etwas zu Zugausfällen.
Dann sollen die aber bitteschön Nachts oder nur in den Ferien arbeiten, wenn alle anderen frei haben? Klar, kann man darauf beschränken, aber dann bleibt noch weniger Zeit für die Arbeiten an der Infrastruktuer und die restliche Zeit drehen die zu wenigen Bauarbeiter dann Däumchen...

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Re: [2017-07-08/10] SEV Kalscheuren - Derkum

Beitrag von _Peter » Donnerstag 25. Mai 2017, 14:34

Duisburg bekommt allerdings ein ganz neues Dach ("Die Welle"), keine Sanierung. Auch ein Modell für Bonn? Auch das Duisburger Dach war mal denkmalgeschützt. Jetzt ist es das nicht mehr.
Was auch keiner machen will: Viktoriabrücke. Vermutlich auch wegen Schnittstellen zur (Bundes-)Bahn.

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Re: [2017-07-08/10] SEV Kalscheuren - Derkum

Beitrag von bluesbrother » Donnerstag 25. Mai 2017, 21:09

Danke Planer. So haben wir mal einen Einblick in die Unwägbarkeiten der Bauplanung bekommen. Wenn ich an die ganzen alten Stahlbrücken aus der Nachkriegszeit denke, die die Urft oder die Kyll überspannen, steht uns da noch einiges bevor. Zwischen Kall und Nettersheim laufen ja bereits die Vorbereitungen zur Erneuerung von drei Eisenbahnüberführungen.
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Re: [2017-07-08/10] SEV Kalscheuren - Derkum

Beitrag von Lupushortus » Donnerstag 25. Mai 2017, 23:28

Ebenso Danke für die ausführlichen Erklärungen zum "warum". Und ich freue mich schon auf den RRX - da steht ja auf "meiner" Strecke noch so richtig Buddelei an - die aktuelle 20cm-Verschwenkung war nur der Anfang.

Anekdote am Rande: Auf dem Weg in den jetzigen Urlaub durchquerten wir eine 10km Autobahn-Baustelle. Viel schweres Gerät stand herum - aber genau 1 (ein) Arbeiter war dort mit genau einer Schaufel zugange.... dann doch besser Bahn?!

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Re: [2017-07-08/10] SEV Kalscheuren - Derkum

Beitrag von bluesbrother » Montag 10. Juli 2017, 19:31

Aus nicht bekannten Gründen sind die Bauarbeiten nicht rechtzeitig fertig geworden. Am Montagmorgen (10.07.) konnte die Sperrung nicht planmäßig vor der ersten Zugfahrt aufgehoben werden. Es wurde ein kurzfristiger Schienenersatzverkehr bestellt, der aber wahrscheinlich die ersten Pendlerzüge nicht ersetzen konnte. Gegen 09:15h soll dann wieder planmäßiger Zugverkehr durchgeführt worden sein.
Gruß aus der Nordeifel!

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