KBS 485: Starkregenereignis vor der Flutkatastrophe

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locotracteur
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KBS 485: Starkregenereignis vor der Flutkatastrophe

Beitrag von locotracteur »

Hallo zusammen,

ca 2 Woche vor der verheerenden Flutkatastrophe in RP und NRW gab es im Raum Aachen bereits ein "Starkregenereignis",
welches die KBS 485 zwischen den Bf Herzogenrath und Übach-Palenberg in Höhe der Awanst Nivelstein stark beschädigte. Hierbei ergossen sich große Regenmengen über die Finkenrather Straße ins Wurmtal, wobei sie in Höhe des gleichnamigen BÜ den Bahndamm unterspülten, um sich anschließend in die Wurm zu ergießen.

Die Ursache hierfür liegt lange in der Vergangenheit: Die Wurm bildet hier den Grenzfluss zu den Niederlanden, die Bahn verläuft einen Steinwurf entfernt zur Grenze. Ebenfalls einen Steinwurf entfernt befand sich auf der niederländischen Seite die Zeche Julia, die auch Kohle jenseits der Wurm, also auch auf deutschem Gebiet, abgebaut hat. Dies hatte über die Jahre immer wieder schwere Bergschäden und Tagesbrüche zur Folge, dem die Ansiedlung Finkenrath bis in die 1960er-Jahre wirklich Stück für Stück zum Opfer fiel. Die Bergsenkungen wurden an der Bahnstrecke immer wieder durch neue Aufschüttungen auf den Bahndamm korrigiert, was dem Ganzen eher die Konsístenz einer lockeren Schüttung gab. Es sei erwähnt, dass sich hier in Hanglage bis heute zu die Nivelsteiner Sandwerke befinden, was die weitere Beschreibung des Untergrundes überflüssig macht.

Die zweite Ursache der Katastrophe liegen in einer zu kleinen Abwasserführung der Finkenrather Straße, die 2 90°-Winkel beschrieb und teilweise hangseitig parallel zum Bahndamm verlief.

Der bis dato noch vorhandene, aber Jahrzehnte nicht genutzte Gleisanschluss der Sandwerke fiel der Flut zum Opfer und wird dem Vernehmen nach nicht mehr aufgebaut. Es sei erwähnt, dass die Sandwerke immer wieder um den Transport auf der Schiene bemüht waren, aber keinen Betreiber fanden. Soviel zur Ernsthaftigkeit der Verkehrswende. Hier ist der Zug wohl für immer abgefahren.....

Der ursprüngliche Optimismus einer schnellen Wiederinbetriebnahme hatte sich schnell zerschlagen, es mussten rund 500 m Bahndamm "entgleist" und neu aufgebaut werden.

Das Material des Bahndamms wird sortiert, neu gemischt und wieder eingebaut. Zusätzlich müssen ca 14.000 Tonnen Schotter eingebracht werden, die zur Zeit nur in der Lausitz zur Verfügung stehen. Dieses Material wird mit einem Zug aus 30 Eanos alle 2 Tage mit 151 078 nach Herzogenrath überführt, wo eine Diesellok den Transport zur Baustelle übernimmt. Die Wagen werden mit einem Bagger entladen und mit Traktoren zur Mischanlage auf dem Gelände der Sandwerke gefahren.

Die Fahrten unterliegen keinem festen Fahrplan, so dass es Geduld oder Glück braucht, etwas vor die Linse zu bekommen.

Am 2. September sah es so am BÜ Finkenrather Straße aus:

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Die Glasfaser wurde provisorisch am Wegesrand verlegt:

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Hinter dem BÜ die Finkenrather Straße, auf der die Wassermassen zu Tal stürzten:

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Am 7. Oktober kam ich eher zufällig am Bahnhof vorbei, als die auf Gleis 7 im Gegenlicht abgestellte 151 078 mich auf den Bahnsteig 5/7 lockte. Kurz danach kamen die üblichen Verdächtigen angerannt, gefolgt von 218 002, die mit ihrem fast leeren Zug von der Baustelle kam. Sie kuppelte 8 noch nicht entladene Wagen ab, zog über den südlichen Bahnhofskopf auf Gleis 1 vor, um wieder zur Baustelle zurückzukehren:

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Am 9. Oktober stand 151 078 auf dem Schiebelokgleis 44, wo sonst die HSL ihre Loks abstellt:

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So sah es am gleichen Tag auf der Baustelle aus, Blickrichtung Übach_Palenberg:

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Diese Skulptur sind die Reste eines alten Dampfbaggers der Nivelsteiner Sandwerke, den ich Mitte der 70er-Jahre noch wesentlich vollständiger angetroffen habe. Schade drum, das wäre ein echtes Museumsstück:

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Ein Bagger löffelt den Inhalt der Wagen aus, während 221 145, die 218 002 abgelöst hat, auf die Rückfahrt wartet:

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An der Grenstraße sind bekannte Fotostandorte, die leider wieder zuwachsen. Im letzten Sonnenlicht kehrt 221 145 auf dem Streckengleis Richtung Übach-Palenberg nach KHEZ zurück:

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Zurück in KHEZ: 221 145 stellt den Zug wieder zusammen, um sich dann zur Ruhe zu begeben. Leider war der Tf der 151 078 noch nicht da. Zunehmende Dunkelheit machte es sinnlos, die Abfahrt des Zuges Richtung Osten abzuwarten:

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Am Nachmittag des 12. Oktober hatte ich die plötzliche Idee, die heimische Arbeit zu unterbrechen und nach KHEZ zu fahren. Volltreffer! 221 145 rangierte mit ihrem Wagen im nördlichen Bahnhofskopf, während 151 078 tatenlos zusah. Der Himmel weinte vor Rührung....

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Die Fahrt zur Baustelle, diesmal Lok voran, wurde an der Grenzstraße abgewartet, wo sich ein fast zeitloses Motiv bot:

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Es sollen insgesamt 7 Züge verkehren, 3 stehen noch aus.


Wenn man sieht, welche Folgen dieses kleine, lokale Ereignis hatte, mag man die Dimensionen der Zerstörung im Ahrtal und anderswo erahnen.


Franz-Josef
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