Elektrifizierung / Ausbau Eifelbahn

Eifelbahn Köln-Trier
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Addiii
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Elektrifizierung / Ausbau Eifelbahn

Beitrag von Addiii » Dienstag 7. Mai 2013, 10:31

"Das kommt einer Enteignung gleich"
Auf der Eisenbahnstrecke entlang der Kyll könnten bald wieder Güterzüge rollen. Um die Rheinschiene zu entlasten, wollen Bund und Land die Strecke ausbauen. Anwohner aus Birresborn (VG Gerolstein) fürchten um ihre Ruhe. Sie haben sich an den TV gewandt, um ihre Bedenken zu äußern.

Birresborn/Bitburg/Daun. "Es wäre eine Katastrophe", sagt Claudia Wirtz. Gemeinsam mit ihrem Mann Dietmar und zwei Nachbarn sitzt sie auf der Terrasse ihres Hauses in der Straße Im Lierchesseifen in Birresborn. Die Bahntrasse ist nicht weit: Sieben, vielleicht acht Meter trennen ihren kleinen Gartentisch von den Gleisen. Alle halbe Stunde rauscht ein Zug vorbei: Nahverkehrszüge, die von Trier und Köln aus durch die Eifel fahren.
Es könnte bald mehr Verkehr entlang der Kyll geben. Vergangene Woche hat der Innenausschuss des Landtags getagt. Thema unter anderem: die "Ertüchtigung" der Eifelstrecke. Das heißt: der durchgängige zweigleisige Ausbau und die Elektrifizierung der Strecke zwischen Kalscheuren bei Köln und Ehrang bei Trier.
Neben mehr Personenzügen könnten dann auch Güterzüge durch die Eifel rollen. Von bis zu 70 dieser Züge täglich spricht eine Studie des Umweltbundesamts.

Davor hat Claudia Wirtz Angst. Sie fürchtet um ihren Schlaf, ihr Haus und ihr ruhiges Leben. "Wenn das kommen sollte, kann ich mir nicht vorstellen, dass ich hier noch wohnen kann", sagt die 47-Jährige. Sie hat sich mit dem TV in Verbindung gesetzt, um ihre Bedenken zu äußern.
"Man gewöhnt sich an die Personenzüge", sagt Nachbarin Anke Wuttgen. Gerade fährt der 15.15-Uhr-Regionalexpress vorbei, drei gekoppelte Dieseltriebwagen. "Die sind in zehn Sekunden vorbei." Vor allem würden die auch nur tagsüber fahren. 51 Mal rollen die Nahverkehrszüge zwischen 5 Uhr morgens und 1 Uhr nachts durch Birresborn. Nachts aber herrscht Ruhe entlang der Strecke.

Permanente Geräuschkulisse

"Wir haben vor acht Jahren hier in meinem Heimatdorf gebaut - wenn wir das gewusst hätten, hätten wir es nicht getan", sagt Wuttgen. Rund 20 Menschen leben im Lierchessiefen. 13 Häuser stehen hier. Die Außenwände der Gebäude sind stellenweise nur wenige Meter von der Bahnstrecke entfernt.
"Es tut mir für die Menschen im Rheintal leid", sagt Anke Wuttgen. "Aber wenn von 400 Zügen 70 abgezogen werden - macht das einen großen Unterschied?"
Auch einer ihrer Nachbarn will das Rheintal-Argument nicht zählen lassen: "Ich finde es verwunderlich, dass die Politiker um die Probleme der Menschen dort wissen - und dann trotzdem so einen Verkehr in dieses enge Tal bringen wollen", sagt er aufgeregt. "Bei der Länge, die diese Züge haben - und dann noch zusätzlich die Personenzüge - da kann man fast von einer permanenten Geräuschkulisse reden." Alle Anstrengungen, die in der Vergangenheit unternommen wurden, um mehr Touristen ins Kylltal zu locken, seien umsonst gewesen, sollte der Güterverkehr kommen, meint der Mann. Und auch die Immobilien entlang der Strecke könnten enorm an Wert verlieren. "Das kommt einer Enteignung gleich!" Es ist 15.25 Uhr. Am Garten rauscht jetzt die Regionalbahn nach Trier vorbei. Claudia Witz sagt: "Ich denke mit Grausen daran, wenn die die ganze Nacht fahren. Dann können wir hier wegziehen."
Was halten Sie von den Plänen, die Eifel-Bahnstrecke auszubauen? Schreiben Sie uns eine kurze E-Mail (bitte mit Namen und Wohnort) an eifel-echo@volksfreund.de


Der totale Bahnsinn

70 Güterzüge sollen pro Tag durch das idyllische Kylltal donnern. Dort, wo die Bahnstrecke nur wenige Meter entfernt von den Schlafzimmern der Anwohner verläuft. Dort, wo jahrelang viel Geld in den Aufbau touristischer Infrastruktur gesteckt wurde. Dort, wo sich Menschen zurückziehen, um sich vom Lärm der Städte zu erholen. Die Politiker verweisen auf die Situation der geplagten Menschen im Rheintal. Bürger, passt auf: Gerade da wurde trotz großen Protests über Jahrzehnte wenig in Sachen Lärmminderung getan. Und auch Flüsterbremsen, gut geölte Radlager und moderne Trassen können einen mehr als 1000 Tonnen schweren Zug nicht davon abhalten, einen Höllenlärm zu veranstalten. t.senzig@volksfreund.de


Quelle: Trierischer Volksfreund vom 06.05.2013, online abgerufen am 07.05.2013 um 10:30 auf http://www.volksfreund.de/nachrichten/r ... 51,3517792

Hier noch weitere Infos zum Thema:

http://www.groneck.de/V_Dieselnetzelektrifzierung.pdf

http://www.eifelzeitung.de/?artikel=75883

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Heiner Schwarz
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Re: Elektrifizierung / Ausbau Eifelbahn

Beitrag von Heiner Schwarz » Donnerstag 9. Mai 2013, 12:48

Ich grüße die Forengemeinschaft !!!

Der Bezugsbeitrag von Addii bezieht sich meiner unmaßgeblichen Meinung nach auf die begonnene Diskussion in diesem einen anderen Fädchen

http://www.eifelbahnforum.de/viewtopic.php?f=4&t=4766

und eben deshalb rege ich, beide Fädchen miteinander zu verknuddeln. Der Übersichtlichkeit und des Zusammenhangs wegen ...

Hintergrund ist, dass der Eifeler Bundestagsabgeordnete Patrick Schnieder die Elektrifizierung der Eifelstrecke für den Bundesverkehrswegeplan angemeldet hat (und sich in seiner Anmeldung zum Thema Güterverkehr (nach meiner wiederum unmaßgeblichen Meinung wohltuend) zurückhält.

Bei anderen Politikern sieht es anders aus, zum Beispiel: http://eifelbahnforum.de/viewtopic.php?f=4&t=4762

Fakt ist, dass im Mittelrheintal, aber auch bereits (aus meiner Sicht aus davor) der Güterverkehr und dessen Schallbelastung auf den beiden Bestandsstrecken des linken und rechten Rheines eine Belastung darstellt.

Und damit haben die "Politisch Verantwortlichen" ein Problem, weil man von ihnen Lösungen erwartet, die sie nicht haben.

Eisenbahn war bekanntlich in Deutschland eine Auslauftechnologie und dies galt insbesonders für den Güterverkehr, von dem interessierte Kreise glaubten, ihn irgendwann mal vollständig "verkraftet" zu haben.
Während für Nischentechnologien wie dem Transrapid Milliarden DM Forschungsgelder verballert wurden, hat sich niemand die Frage gestellt, wie man die komischen Güterwagen leiser bekommt.
Ich persönlich muss hier an Matthias Wissmann denken, der als Forschungsminister den Transrapid pries: "Der Transrapid fährt mit Strom, nicht mit Subventionen." und der nunmehr als Präsident der Deutschen Automobilindustrie bekennender Befürworter der Monster-Trucks ist, die mit 25 Meter Länge und 80 Tonnen Gewicht Autobahnen bevölkern und deren Brücken verschrotten soll - subventioniert von einer einzuführenden Autobahnmaut für PKW-Fahrern.
Jener Herr Wissmann hat dann als Verkehrsminister weder darüber nachgedacht, wie man die Güterschachteln leiser bekommt noch sich die Frage gestellt, ob man nicht - auch - für den Güterverkehr gerade auf diesen ausgerichtete Infrastruktur neu bauen müsste. Er war ja in den Transrapid verliebt ...

Und die nachfolgenden Bundesverkehrsminister (von der SPD) in der rot-grünen und der großen Koalition hatten auch die Devise "Wer nix macht, macht auf alle Fälle nix verkehrt ...."

Um im Rheintal Entlastung zu versprechen, ist es nunmehr ratsam, das Bundestagsabgeordnete dort, zumal wenn sie den Parteien angehören, die die Bundesregierung stellen, auf Grund der Untätigkeit dieser besser schweigen.

Und so scheine ich in Rheinland-Pfalz eine Arbeitsteilung zu entdecken.
Die, die die Verantwortung für die Untätigkeit von Merkel/Ramsauer haben, schweigen.
Landtagsabgeordnete der dort oppositionellen CDU hingegen versuchen, der ror-grünen Landesregierung Untätigkeit vorzuwerfen und damit beim lärmgeplagten Publikum zu punkten.
Dabei sollte ein Blick ins Grundgesetz verdeutlichen, dass hier der Bund maßgeblich aktiv zu sein hat:

Art 87e

(1) Die Eisenbahnverkehrsverwaltung für Eisenbahnen des Bundes wird in bundeseigener Verwaltung geführt. Durch Bundesgesetz können Aufgaben der Eisenbahnverkehrsverwaltung den Ländern als eigene Angelegenheit übertragen werden.

[...]

(4) Der Bund gewährleistet, daß dem Wohl der Allgemeinheit, insbesondere den Verkehrsbedürfnissen, beim Ausbau und Erhalt des Schienennetzes der Eisenbahnen des Bundes sowie bei deren Verkehrsangeboten auf diesem Schienennetz, soweit diese nicht den Schienenpersonennahverkehr betreffen, Rechnung getragen wird. Das Nähere wird durch Bundesgesetz geregelt.


Güterverkehr Gremberg - Bimmbamm und davor und dahinter darüber hinaus ist wohl eindeutig kein Schienenpersonennahverkehr.

Dummerweise glauben die Menschen im Rheintal den dortigen Landtagsabgeordneten die Märchen, dass man den Güterverkehr dort reduzieren können, wenn man die Eifelstrecke elektrifizieren würde. Weil sich dort niemand Gedanken zu Fragen der Verkehrsgeographie (woher - worüber - wohin), zur Topographie der Eifelstrecke im Besonderen oder auch zu Frage macht, ob es denn sinnvoll ist, die Menschen am Rhein gegen die in der Eifel ausspielen zu wollen.

Wenn denn dann auf Grund der Erfahrungen mit Großprojekten nunmehr seitens der politisch Verantwortlichen eine ehrliche Planungskultur eingefordert wird, dann kann ich dies gerade hier nicht erkennen.

Im nachrichtenblatt 1 / 13 finden wir einen hintergründigen Beitrag zum Thema "Güterzug-Umleiter via Eifelstrecke - (Teil-)Verlagerung des Güterverkehrs im Mittelrheintal gefordert" von Hans-Peter Kuhl, in dem die topografische Situation einerseits, aber auch die investive Situation beleuchtet wird.
Es lohnt sich, das Nachrichtenblatt zu kaufen ....

Die offenkundige Ahnungslosigkeit der hier Agierenden möchte ich einmal versuchen aufzudecken.

Dazu rufen wir einen Zeitungsartikel auf:

http://www.rundschau-online.de/euskirch ... 66958.html

Darin lesen wir: "MdL Josef Dötsch. Gemeinsam mit dem CDU-Bezirksverband Koblenz-Montabauer fordert er schon seit Jahren Maßnahmen, um den aus seiner Sicht immer unerträglicher werdenden Bahnlärm auf der Rheinstrecke in den Griff zu bekommen.

In Gesprächen mit der Bahn in Berlin hatten er und MdL Adi Weiland sich dafür ausgesprochen, die Eifelstrecke von Köln über Bitburg bis nach Trier auszubauen. Dötsch sagte gestern zur Rundschau: „Erforderlich wäre eine Elektrifizierung der Strecke.“ An Tunneln, an denen es für die Güterwaggons eng werden könnte, müsste der Betrieb eingleisig erfolgen. Generell sollte die Strecke jedoch zweigleisig geführt werden und an einigen Stellen müssten extreme Steigungen nivelliert werden. Dötsch: „Das könnte wesentlich schneller als der Neubau realisiert werden.“
"

Nun wissen wir, dass von Köln aus die Eifelstrecke eine Ansammlung von Steigungen ist - Kalscheuren - Erftstadt von Rhein in das Erfttal. Mechernich - Kaller Tunnel vom Erft- ins Urfttal und dann mit dem Schmidtheimer Berg über die Wasserscheide Maas - Mosel.

Dann fangen wir mal an, Steigungen zu nivellieren, wie der Herr Abgeordnete es gerne möchte.

Dazu sollten wir uns verdeutlichen, was eine Steigung ist:

http://de.wikipedia.org/wiki/Steigung

Wenn wir die Steigung (2|1) und (7|3) "nivellieren", muss entweder aus dem Punkt (2|1) der Punkt (2|2) oder aus (7|3) (7|2) werden.

Will heißen, dass, wenn eine Steigung nivelliert ist, die anschließende Strecke viel zu hoch liegt ...

Folglich wird richtigerweise aus "nivellieren" "völlig neu bauen".
Ein Diplom-Ingenieur der Nachrichtentechnik sollte sich diese Zusammenhänge bei Steigungen zumindestens selbst erarbeiten können, meint der Verkehrsplanende ...

Mit seinen so nicht umsetzbaren Vorschlägen erreicht Herr Dötsch sicherlich, im heimatlichen Wahlkreis zu punkten, weil er den Anschein erweckt, etwas zu tun. Weil Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher aber die Grundlagen der Trassierung weniger geläufig sind, wird keiner in seinem Wahlkreis seine Äußerungen hinterfragen und als nicht durchführbar erkennen.

Gleichzeitig löst aber der laute Wusch der Verkehrsverlagerung in der Eifel eben jene Abwehrreaktionen aus, die der Volksfreund beschreibt.

Wenn nun einer sagt, er möchte die Eifelstrecke elektrifizireren, wird niemand über die Vorteile für den Regionalverkehr sprechen, sondern immer nur die vielen Güterzüge wahrnehmen, die kommen sollen. Weil auch an der Eifelstrecke verstehen die Wenigsten, dass auch eine elektrifizierte Eifelstrecke nicht güterzugfreundlich ist,
Und deshalb muss die nicht umsetzbare Verlagerungsdiskussion als erstes vom Tisch.

Und zu diesem Thema habe ich dem Herrn Schnieder einen Brief geschrieben:
2013_04_15_eifelstrom(o.M.).pdf
(83.64 KiB) 203-mal heruntergeladen
Eine Antwort, auch in der Form einer Eingangsbestätigung liegt mir nicht vor.
Weiterhin wurde im Anschluss dieser Brief verkehrspolitisch und / oder eisenbahnunternehmerich Aktiven zu Information übergeben.

Und wenn ich mir was wünschen würde, dann eine gemeinsame Aktion von den beiden Zeitungen in Eifel und Rheintal, dem Volksfreund und der Rheinzeitung, in dem das erkennbare gegeneinander Ausspielen der Menschen einmal aufgedröselt wird.

Genug geschrieben, jetzt kommt die Sonne raus

Die ganze Eifel muss es sein !!!

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kyllbruecke
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Re: Elektrifizierung / Ausbau Eifelbahn

Beitrag von kyllbruecke » Freitag 10. Mai 2013, 23:31

Die Kommentare aus dem "Eifel-Echo" zum Artikel sind jetzt auch zu lesen:

http://www.volksfreund.de/nachrichten/r ... vvtl2lvh21

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kyllbruecke
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Re: Elektrifizierung / Ausbau Eifelbahn

Beitrag von kyllbruecke » Freitag 10. Mai 2013, 23:33

Da der TV meinen Kommentar nicht nur willkürlich gekürzt, sondern auch Sätze abgeändert hat, poste ich hier nochmal meinen Kommentar in voller Länge:

"Wir befinden uns im Jahre 2013 n. Chr. Ganz Deutschland erlebt Zuwachsraten im Eisenbahnverkehr, weil mehr Menschen auf umweltfreundliche Verkehrsmittel umsteigen. Ganz Deutschland? Nein! Eine von unbeugsamen Kommunalpolitikern beherrschte Region hört nicht auf, die letzten verbliebenen Bahnstrecken stilllegen und in Radwege umbauen zu wollen.
Nun zeigt sich erstmals seit langem der politische Wille erheblich in die Eifelstrecke zu investieren, um großräumig gesehen die Netzqualität der Eisenbahn in Westdeutschland langfristig zu verbessern. Auch hier sollten nicht direkt Schreckgespenster an die Wand gemalt werden. Den zu erwartenden negativen Effekten wie einem zunehmenden Güterverkehr stehen auch positive Effekte für die Eifel gegenüber:
Eine Hauptbahn in Deutschland sollte den Anspruch haben durchgängig zweigleisig und elektrifiziert zu sein, was die Verspätungsanfälligkeit reduziert und die Reisegeschwindigkeit erhöht. Weiterhin wäre auch eine Anbindung an den Fernverkehr kein unrealistisches Szenario, denn die heutige IC-Verbindung von Luxemburg-Trier nach Rhein-Ruhr wäre durch die Eifel schneller als heute. Intercity-Halte an den wichtigsten Bahnhöfen wie Euskirchen, Kall, Gerolstein oder Erdorf mit Direktverbindungen Richtung Norddeutschland wären durchaus denkbar, sofern der politische Wille vorhanden wäre. Auch eine Einbindung des heutigen RE 12 in das zukünftige RRX-Konzept (Rhein-Ruhr-Express) wäre dann theoretisch möglich. Solch ein Quantensprung im Bedienungsangebot bedarf allerdings dieser Investitionen, denen die Eifel offen gegenüber stehen sollte."

Ich gebe zu, vielleicht etwas überambitionierte Zukunftsvisionen und auch einige Details, aber dann hätten sie ihn entweder nicht abdrucken oder als normalen Leserbrief veröffentlichen sollen :evil:

rrobby
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Re: Elektrifizierung / Ausbau Eifelbahn

Beitrag von rrobby » Samstag 11. Mai 2013, 05:57

Der typische Deutsche ist erstenmal prinzipiell gegen alles Neue und Bessere, gründet erstmal eine Bürgerinitiative oder tritt ihr bei wenn etwas auch nur mittelbar betrifft...
Warum sind so viele Projekte an Volkes Wille gescheitert, siehe Transrapid, der Eiserne Rhein, Betuwe-Linie obwohl sie dringend erforderlich wären für unser aller Wohlbefinden.
Wir Deutschen müssen endlich mal einsehen, dass wir nicht in einer Oase der Wohlbefindlichkeit leben....
Wir alle leben unter dem gleichen Himmel, aber nicht alle haben den gleichen Horizont

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SD90
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Re: Elektrifizierung / Ausbau Eifelbahn

Beitrag von SD90 » Sonntag 12. Mai 2013, 11:00

Ich will Euch mal sehen, wenn Euer Wohneigentum von jetzt auf gleich z.B. 20% weniger wert wäre.

Talent78
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Re: Elektrifizierung / Ausbau Eifelbahn

Beitrag von Talent78 » Freitag 17. Mai 2013, 15:37

SD90 hat geschrieben:Ich will Euch mal sehen, wenn Euer Wohneigentum von jetzt auf gleich z.B. 20% weniger wert wäre.
Das mag schon sein, dass jeder andere anstelle jener Anwohnerin über solche Gedankenspiele nicht erfreut wäre.
Allerdings ärgert mich dieses reflexartige Auf-die-Barrikaden-gehen von Anwohnern im Dunstkreis von Bahnstrecken angesichts des gesamten Verkehrs in unserem Lande doch mehr und mehr.
-- Ob es sich überhaupt um realistische oder um bis auf weiteres völlig fantastische Planspiele einzelner Wortmeldungen aus der Politik handelt, wird nicht im Ansatz hinterfragt, bevor schon die Presse alarmiert wird, die sich auf den vermeintlichen Skandal stürzt wie ein Rudel Wölfe. Provinziell. Peinlich.
-- Daher kann von 20% weniger Wert bis auf weiteres auch keine Rede sein. Ob eine tatsächliche Umsetzung jemals derartige Verluste bedeuten würde, steht in den Sternen.
-- Völlig absurd erscheint es da auch, sofort mit juristischen Fachbegriffen um sich zu werfen, die zur Realität keinen Bezug haben. Ein "enteignungsgleicher Eingriff" könnte sich allenfalls an ganz konkreten planerischen Umständen des Einzelfalls festmachen, in deren Verlauf im Rechtsstaat selbstverständlich Einspruchsmöglichkeiten bestehen würden. Gehts also auch eine Nummer kleiner?
-- Viel konkreter ist doch das tatsächliche Schicksal vieler vom Straßenverkehr in immer stärker Weise Betroffener, deren Gruppe insgesamt im übrigen viel größer ist, als die derjenigen, die vom Schienenverkehr betroffen ist. Wie kommt ein in der Idylle der Eifel lebender Mensch überhaupt dazu, sich in einer Art und Weise aufzuspielen, die eher eine Nachbarschaft zur A1, A3, A4 oder welcher Betonpiste auch immer vermuten ließe? Ich würde doch gerne einmal hören, wie begeistert Anwohner in der Nachbarschaft solcher Straßen, gerade in NRW im übrigen ohnehin schon in Ballungsräumen, vom ständig wachsenden internationalen LKW-Verkehr zu jeder Tages- und Nachzeit sind. Merkwürdig, dass sich für diesen, die Gesundheit von wahrscheinlich Millionen betreffenden Umstand keine Eifeler Landzeitung interessiert.
-- Ich halte es für reichlich egoistisch, dass die Gemeindienlichkeit von Eisenbahnstrecken, auf denen naturgemäß mehr Personen und mehr Güter auf engerem Raum, mit weniger einzelnen Fahrzeugen bzw. Fahrten und obendrein noch umweltfreundlicher transportiert werden können, von vielen nicht zur Kenntnis genommen werden will. Jahrzehntelange politische Prägung einer Autofahrer- und Staustehernation: Eisenbahn? Brauchen wir nicht! Eisenbahn? Museumstechnik! Eisenbahn? Was ist das?
-- Der Schienenverkehr wird bis auf die wenigen Ausnahmen der Neu- und Ausbaustrecken auf dem Bestandsnetz abgewickelt, das eher immernoch immer weiter "optimiert" (zurückgebaut) als ausgebaut wird. Der Bahnverkehr nimmt somit seit Jahrzehnten insgesamt und in den allermeisten Fällen nicht mehr Raum ein, sondern hält sich auf Trassen auf, die seit dem 19. Jahrhundert bestehen. Bilden sich dortige Anwohner eigentlich wirklich ein, dass der Dornröschenschlaf eines vorhandenen und grundsätzlich aufnahmefähigen Systems zu ihren Gunsten auf ewig anhalten muss? Wohnt besagte Anwohnerin schon seit den 1870ern in der Eifel oder wie will sie ihren unantastbaren Bestandsschutz begründen? Ach, Sie haben dort erst vor wenigen Jahren gebaut? Ach so...Mit einer derartigen Haltung hätte sie im Rahmen des Ausbaus des Kölner Autobahnrings vermutlich wenig Erfolg gehabt. Kräht irgendein Hahn danach, in wessen Eigentum stehende Flächen zum Bau zweier weiterer Fahrspuren enteignet wurden und wie nah manche Straßen mit über 100.000 Fahrten pro Tag an die Wohnbebauung herangerückt sind? Über solche tatsächlichen Eingriffe in Eigentum und Wohnqualität zahlreicher Menschen würde ich gerne mehr erfahren.
-- Ich bin auch nicht erfreut über den Zustand eines Gemeinwesens, in dem jeder individuell zack zack Bleifuß und selbstverständlich ohne Tempolimit ans Ziel will, in dem jeder die Güter des täglichen und des westlichen Luxuslebens geliefert bekommen möchte und gleichzeitig bereits heute jeweils eine Fahrspur komplett mit internationalen Schwerlastern zugepflastert ist, weil offenbar ein Konsens der Ideenlosigkeit in der Verkehrspolitik besteht und weiter gepflegt wird. Während nicht mehr absehbar ist, wie lange die nächsten ächzenden Straßenbrücken noch halten oder etwa die 8-12 Fahrspuren zwischen Heumar und Leverkusen denn nun wohl reichen werden, empfinde ich derartige Zeitungsartikel einfach als lächerlich und an Sache und Vernunft vorbeigehend.
-- Schlimm ist dabei nur, dass die teilweise völlig fantastischen Denkansätze der Politik zu derartiger Pressearbeit ja fast schon einladen.

Nebenbahner
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Re: Elektrifizierung / Ausbau Eifelbahn

Beitrag von Nebenbahner » Freitag 17. Mai 2013, 20:54

SD90 hat geschrieben:Ich will Euch mal sehen, wenn Euer Wohneigentum von jetzt auf gleich z.B. 20% weniger wert wäre.

Ist es nicht so, dass die Bahn vor jedem Menschen, der jetzt entlang dieser oder anderer Strecken lebt, zuerst da war?
Wie kann man dann davon ausgehen, dass da auf immer und ewig 1-2 Züge pro Stunde gemütlich vorbei zockeln?
Heute würde kein Hahn mehr danach krähen, wenn vor Jahren, als die Elektrifizierung der Eifelbahn bereits einmal
Thema war, dies auch umgesetzt worden wäre.
Ob es überhaupt mal zu einem Ausbau der Eifelstrecke kommt, bleibt ohnehin noch abzuwarten. Da fließt noch
sehr viel Wasser die Kyll und die Erft runter.

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Heiner Schwarz
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Und was sagt die Bahn dazu?

Beitrag von Heiner Schwarz » Freitag 17. Mai 2013, 21:18

Dazu finden wir in der FAZ einen Artikel, den der eine oder andere Besucher der Wendeplatte am Draht vielleicht schon gelesen hat.

http://www.faz.net/aktuell/technik-moto ... 79876.html

"Parallel zur Rheinschiene will die Bahn dazu einen „West-Korridor“ in zwei Teilen etablieren, der östlich des Rheins zwischen Ruhrgebiet und Siegerland sowie westlich des Flusses auf der Alsenzbahn zwischen Bingen und Kaiserslautern verläuft."

können wir dort lesen und damit die Bestätigung der Tatsache finden, dass die Eifelstrecke ein "wenig ab vom Schuss liegt" was ja auch mein schriftliches Reden ist.

Um über eine Eifelelektrifizierung für den Nahverkehr, für etwas Güterverkehr und vielleicht eine Art Fernverkehr nachdenken zu können, müssen zuerst einmal die durch nichts begründeten 70 Güterzüge je Tag und Richtung aus der Welt geschaffen werden.

Während dort http://www.deutschland-takt.de/deutschl ... &Itemid=45 noch tiefstes 2012 ist, scheint sich da http://www.drehscheibe-foren.de/foren/r ... ?2,6379236 Bewegen ins Denken zu kommen.

Big Steve
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Re: Und was sagt die Bahn dazu?

Beitrag von Big Steve » Freitag 17. Mai 2013, 23:25

Heiner Schwarz hat geschrieben: Um über eine Eifelelektrifizierung für den Nahverkehr, für etwas Güterverkehr und vielleicht eine Art Fernverkehr nachdenken zu können, müssen zuerst einmal die durch nichts begründeten 70 Güterzüge je Tag und Richtung aus der Welt geschaffen werden.
Der NVR hat für den SPNV den Draht auch nur für den Abschnitt Köln-Kall in Planung.

locotracteur
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Re: Elektrifizierung / Ausbau Eifelbahn

Beitrag von locotracteur » Samstag 18. Mai 2013, 11:17

hallo zusammen,

diese Diskussion ist tatsächlich überall die gleiche. Jeder möchte seinen im Online-Versand ersteigerten Artikel möglichst im Tagessprung erhalten und mal eben zum Billigpreis zum Kaffeetrinken nach Sevilla oder London jetten. Ein Teil der Bevölkerung zahlt seit Jahren zunehmend einen höheren Preis für diese Mobilität, nämlich die an der Rheinstrecke und in der Einflugschneise von Flughäfen. Da gibt es die Anderen, die in weitgehender ländlicher Idylle von dem System profiteren, jedoch einen kleineren Anteil in Form von Lärm, Dreck und letztendlich Gesundheit zahlen.

Grundsätzlich gilt, wer an einer bestehenden Bahnlinie ein Grundstück kauft, muss mit einem Verkehrszuwachs rechnen. Ich selber wohne in relativ ruhiger dörflicher Lage in der Nähe einer Landstraße, 15 Fußminuten vom Zentrum von Herzogenrath entfernt. Seit wir durch Verlängerung dieser Landstraße zur A44 "Autobahnanschluß" haben, hat sich der Verkehr gefühlt verdoppelt. Nein, ich darf mich nicht beklagen, denn seit Eröffnung dieser Verbindung haben sich meine Verkehrswege stark verändert, ich profitiere also davon und zahle den Preis in Form von Lärm dafür, dass Andere genau das machen, was ich auch mache. Nicht mehr und nicht weniger!

Wenn ich mir jedoch die Struktur des Verkehrs anschaue, kann ich den Mund nicht mehr halten. Dies sind

a) lokale LKW-Verkehre (Rohstoffe und Produkte), die ein Glaswerk mit großem Gleisanschluß bedienen, der Verlader hat kein scheinbar kein Interesse, wieder (wie früher) die Bahn zu nutzen. Einige Bahnkilometer weiter Richtung Mönchengladbach gibt es die Awanst Nivelstein, ein Anschluß zu einem Sandwerk. Der Inhaber hat seinen Gleisanschluß ertüchtigen lassen, findet jedoch keinen, der seine Güterzüge in die Niederland fährt. Nach meinem Wissen wird der Sand jedoch auch im LKW! nach Stolberg zur dortigen Glashütte (selbstverständlich mit Gleisanschluß!) gefahren, was über die "Ringbahn" mit einem Ganzzug täglich zu erledigen wäre. Verrückter geht es nicht!

b) hauptsächlich aus den angrenzenden Niederlanden entstehender LKW-Transitverkehr, der wahrscheinlich mit PKW-Navi bewaffnet durch nicht geeeignete Straßen kurvt, um die an sich schnellere Verbindung über die Autobahn mit Maut zu vermeiden.

Hier versagt nach meiner Meinung die Politik vollständig. Es müsste Regulierungsszenarien geben, die schon auf regionaler Ebene greifen. So könnte der unsäglich verzögerte Lückenschluß der Ringbahn nach Stolberg mit wenig finanziellem Aufwand Abhilfe schaffen, während einige Kilometer weiter eine A4 mit immensem Aufwand dreispurig ausgebaut wird. Für einen stetig anwachsenden LKW-Verkehr natürlich! Anstatt immer neue Umgehungsstraßen zu fordern, sollte man in der Bevölkerung ein Bewusstsein für die Zusammenhänge zwischen Konsumverhalten, Verkehr und Umweltschutz erzeugen. Aber, das trifft die Bevölkerung, solange sich die Menschen in der Masse intellektuell auf Dschungelcamp, gefühlter Fußballweltmeister, Bundeslena und Superstar selber reduziert, wird es keine Druck auf die Politik zur Nachhaltigkeit geben.

Im Zuge steigender Energiekosten und - Knappheit wird man irgendwann von dem jetzt herrschenden System abkehren müssen. Die Antwort kann nur Entschleunigung, regionale Vermarktung und Vermeidung sinnfreier Transporte sein. Wir werden dann auf frische Erdbeeren zu Weihnachten verzichten müssen, aber wenn das Alles ist?

Die verbleibenden Verkehre könnte man wirklich auf die Bahn verlagern und besser in der Fläche verteilen. Ja, dann fahren in der Eifel keine 70, sondern vielleicht 7 Güterzüge, was verkraftbar ist. Die anderen 7 fahren über den Hunsrück und Luxemburg/Belgien nach Antwerpen, während ostwärts orientierter Verkehr rechtsrheinisch über die Aartalbahn verkehrt. Dafür ist der Verkehr auf Rheinscheine dann vielleicht halbiert worden. Geeignete Traktionsmittel gibt es heute, und wer die Mehrkosten wegen ungünstiger Trassierung ins Feld führt, sollte den volkswirtschaftlichen Schaden durch Staus und Unfälle auf überfüllten Autobahn gegenrechnen, zusätzlich zu den direkten Kosten für Neubau, Erweiterung und Instandsetzung der Strassen.

Und wenn man weiter spinnt, kombiniert man die heutige Kommunikationstechnik mit dem hervorragenden von-Haus-zu-Haus-System der 60er Jahre. Automatische Umschlagzentren beladen intelligente Waggons mit intelligenten Kleincontainern, die im Nahgüterzug dann Birresborn, Densborn umd Mürlenbach bedienen. Örtliche "Rollfuhrunternehmer" verteilen die Ware oder der Kunde kommt zum Bahnhof und öffnet seinen Warencontainer mit einem Code, der ihm per E-Mail mitgeteilt wurde. Nach dem Entladen meldet sich der Conatiner in der Zentrale als abholbereit zurück. Alles machbar, wenn man will. Wenn es schon einen Ortsgüterbahnhof gibt, kann der Langholzlaster seine Ladung direkt dort umladen und nicht erst in Gerolstein. Etwas mehr Verkehr auf der Schiene, viel weniger Verkehr auf der Straße. Auch in Birresborn! Da der Privat-PKW in Zukunft wohl kaum noch zu finanzieren sein wird, freut man sich darauf, eine vernünftige und schnelle Schienenanbindung an die Welt zu haben. Auch in St-Thomas! Und wenn die Bahn wieder auf dem Land präsent und für die Menschen da ist, wird ihre Akzeptanz auch wieder steigen. Dann kann die Nähe einer Bahnlinie auch den Immobilienpreis heben.

Im Zuge der Veralterung der Bevölkerung werden so oder so die Eifelgemeinden, die in beschränkter Kurzsichtigkeit am liebsten jeden Bahnkörper in einen Radweg umwandeln (möchten), das Nachsehen haben. Der Radler fährt vorbei, der Autofahrer bleibt weg, weil der Sprit zu teuer ist, mit dem Bus kommt keiner.....Tourismus ade!

Fazit meiner etwas längeren Ausführung: Man könnte vieles bewegen und solche an sich dümmlichen Diskussionen über lokale Immobilienpreise vermeiden, wenn es eine an den Problemen der Zeit orientierte übergeordnete Politik mit den unvermeidlichen Konsequenzen und eine ehrliche Information und Auseinandersetzung mit den Bürgern geben würde. Solange jedoch kurzfristige Kapitalinteressen die Bundes- und EU-Politik beherrschen, wird es nur noch schlimmer werden. Also sollte der potentiell verarmte Wutbürger nicht auf den Güterzug hinter seinem Gartenhaus schimpfen, sondern sich einen Überblick verschaffen und die Wut an der richtigen Stelle rauslassen.


schöne Pfingsttage wünscht Franz-Josef

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Heiner Schwarz
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Re: Elektrifizierung / Ausbau Eifelbahn

Beitrag von Heiner Schwarz » Sonntag 19. Mai 2013, 13:40

Werte Mistreiter,

wohl weiß ich, dass der NVR für die Strecke Hürth-Kalscheuren – Euskirchen – Kall (und Bonn – Euskirchen) über deren Elektrifizierung nachdenkt und dies in seiner Zielkonzeption jenseits von 2033 vorgesehen hat.

Eben darum ist mein Interesse so groß, die Elektrifizierung auch über Kall hinaus ins Gespräch zu bringen, weil eine Elektrifizierung nur bis Kall meines Erachtens für die Strecke dahinter nicht gut sein wird.

Wenn die Strecke nur bis Kall elektrifiziert sein soll, heißt dies – nur auf den die Strecke derzeit fast ausschließlich befahrenden Schienen-Personennahverkehr bezogen, dass die Züge, die alle Halte bis Kall bedienen werden, elektrisch fahren werden.

Dann wäre eine Variante, in Kall umsteigen zu müssen in Dieselzüge, die dann die Strecke von Kall bis Trier bedienen. Dieses Umsteigen wird nicht gerade zur Attraktivitätssteigerung der Strecke (aus meiner Sicht) jenseits von Kall beitragen und die Fahrgastzahlen werden dort zurückgehen.

Oder aber wir lassen durchlaufende Dieselzüge von Köln bis Kall unter dem neu gebauten Draht dieseln. Nun war unsere erste gelernte Lektion, dass diese Züge ein sehr anspruchsvolles Betriebsprogramm erfüllen und sehr spurtstark sein müssen. Damit sind diese Züge sowohl von der Anschaffung wie auch von den Betriebskosten sehr teuer. Dies ist ein Ergebnis des Ausschreibungsverfahrens „Dieselnetz Köln“ und wurde von Christoph Groneck in seinem Beitrag zum Nachrichtenblatt, der hier verlinkt wurde, schon beschrieben.

Im Abschnitt hinter Kall haben wir nun die teuren Züge, die wir eben auch da brauchen, um jeden Halt stündlich zu bedienen. Trotzdem springen Fahrgäste ab, weil sie in Kall nicht umsteigen wollen.
Nach Köln durchgebunden bleiben uns zwar die Fahrgäste erhalten, aber ein Viertel bis ein Drittel der Züge, die dort verkehren, werden dann teure Dieselzüge unter einer ebenfalls teuren Oberleitung sein. Dies könnte das Ergebnis haben, dass es damit um die „Wirtschaftlichkeit“ eben jener Oberleitung auch nicht gerade zum Besten bestellt sein wird.

Zusätzlich wird eine nicht durchgehend elektrifizierte Eifelstrecke überregionale Personenzüge eines „Deutschland-Taktes“ aufnehmen können, da diese im Vor- und Nachlauf (Saarbrücken / Luxembourg – Ruhrgebiet – Dortmund / Münster) fein brav unter Draht fahren möchten und ein zweifacher Lokwechsel, so es denn lokbespannte Züge sein sollen, suboptimal sein wird.

Verschaffen wir uns einmal einen Überblick über die Eifelstrecke – wo wird die Oberleitung besonders teuer werden. Im Bereich von Straßenbrücken, die keine ausreichende lichte Höhe haben und ganz besonders im Bereich der Tunnel, weil eben da der Platz für die Oberleitung geschaffen werden muss.

Ich habe mir mal die Tunnel betrachtet
TunnelsinnerEifel.GIF
und erlaube mir festzustellen, dass nach meiner Betrachtung (um deren Berichtigung ich bitte, wenn ich einen Tunnel als Eingleisig beschrieben haben, obwohl er zweigleisig ist) nur zwei zweigleisige Tunnel erkannt habe. Dort muss entweder die Gleise abgesenkt, der Tunnel aufgeweitet oder zusätzlich noch der Spielraum der Oberleitungshöhe ausgenutzt werden.
Da die Elektrifizierung zumindest bis Kall gehen soll, ist das Problem „Kaller Tunnel“ sowieso zu lösen.

Bleibt der Kuckuckslay-Tunnel übrig, der jedoch saniert werden soll:

http://www.drehscheibe-foren.de/foren/r ... sg-6398707

In den dazwischen liegenden Tunneln ist zu untersuchen, wie ein elektrifiziertes Gleis in den vorhandenen Abmessungen des jeweiligen Tunnels untergebracht werden kann und sei es dadurch, dass die Gleisachse in Tunnelachse verschoben werden kann.

Gleichzeitig ist zu untersuchen, wie Betriebsprogramme auf der Strecke mit schnelleren elektrischen Fahrzeugen aussehen würde – sprich verlagern sich Kreuzungen aus Zweigleisigkeiten und Bahnhöfen in andere heute eingleisige Abschnitte und können diese wieder zweigleisig ausgebaut werden. Zusätzlich sind dann „Deutschland-Takt-Züge“ und Güterzüge einzutakten und daraus wird es ein Ergebnis geben, mit welchen Investitionen in die Infrastruktur welches Betriebsprogramm gefahren werden kann.

Und mit eben diesen Überlegungen sollten wir anfangen, diese einzufordern.

In diesem Zusammenhang finde ich es – ich sagte es schon – gut, dass Patrick Schnieder kraft seines Mandates die Eifelstrecke zur Elektrifizierung angemeldet hat. Aber – ich wäre nicht ich – warum hat der Euskirchener MdB Seif nicht Gleiches getan? Er hätte es genau so gut gekonnt, aber er hat es nicht getan.

Bevor ich für heute zum Ende komme, bitte ich freundlich darum, ebenfalls die Strecke nach Bad Münstereifel in die Überlegungen der Streckenelektrifizierung mit einzubeziehen. Einen nicht unwesentlichen Anteil ihrer Fahrgäste erhält die Strecke dadurch, dass sie nach Bonn durchgebunden ist. Dieser Fahrgastanteil ist gefährdet, wenn sie im Inselbetrieb als Dieselstrecke weiter betrieben werden sollte. Deshalb ist auch für diese Strecke die Elektrifizierung vorzusehen – so es der Herr Ludwig in Karlsruhe mit den dortigen Streckenverästelungen vorteilhaft gemacht hat.

Also ist die Trommel zu rühren, damit bitteschön über die vom NVR vorgeschlagene Elektrifizierung der Strecke nur bis Kall hier die gesamte Eifelstrecke in die Betrachtung einbezogen wird, um die sich ansonsten abzeichnende Demarkationslinie hinter Kall zu vermeiden.

Erst einmal schöne Pfingstage

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Heiner Schwarz
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Re: Elektrifizierung / Ausbau Eifelbahn - Antwort MdB Schnie

Beitrag von Heiner Schwarz » Dienstag 28. Mai 2013, 17:26

Enne joode Ovend!

Herr Schnieder hat mir geantwortet:
PatrickSchniederMdB_2013_05_13.pdf
(930.16 KiB) 279-mal heruntergeladen

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Heiner Schwarz
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Re: Elektrifizierung / Ausbau Eifelbahn

Beitrag von Heiner Schwarz » Sonntag 9. Juni 2013, 10:19

... ich habe mal gesucht und folgende Beiträge zum Thema gefunden

http://www.wochenspiegellive.de/eifel/s ... elstrecke/

und

http://klaus-voussem.de/uploads/media/M ... ntwort.pdf

http://www.duden.de/rechtschreibung/elektrisieren

http://www.duden.de/rechtschreibung/elektrifizieren

Irgendwo hielt sich in der Szene das Gerücht, dass der Euskirchener MdB Seif die Anmeldung der Elektrifizierung der Eifelstrecke wohl mit getragen habe - nach meiner google-Suche und dem wochenspiegellive-Artikel bin ich davon nicht so ganz überzeugt

mediapark
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Re: Elektrifizierung / Ausbau Eifelbahn

Beitrag von mediapark » Donnerstag 27. Juni 2013, 17:01

Die Bitburger Zeitung schreibt heute, dass sich der Ortsbeirat von Erdorf gegen "noch mehr Züge" wehrt und eine Protestresolution an Stadt und Landkreis verschickt hat.

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