Spurensuche an der Mosel

Moselstrecke Koblenz-Trier
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Jörg Neidhöfer
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Spurensuche an der Mosel

Beitrag von Jörg Neidhöfer » Sonntag 16. April 2006, 19:23

Hallo allerseitZ,

am Karfreitag habe ich mich aufgemacht, um Spuren einer nie fertig gestellten Bahnstrecke zu finden:

Aus strategischen Gründen sollte die Moselstrecke Anfang des 20. Jahrhunderts 4spurig ausgebaut werden, und zwar größtenteils auf der rechten Moselseite, da die bereits bestehende Trasse ja die linke Seite an der Untermosel bereits abdeckte.
Während des 1. Weltkriegs wurden auch einige Bauwerke und ein Tunnel fertig gestellt. Doch der verlorene Krieg durchkreuzte die Pläne und die Trasse wurde aufgegeben.
Der fertig gestellte Tunnel zwischen Treis und Bruttig wurde zur Champignonzucht genutzt, bevor er im 2. Weltkrieg eine unrühmliche Zeit als Außenstelle des KZ Natzweiler erlebt hat.
Nach dem 2. WK wurde der Tunnel an meherern Stellen gesprengt, auch die Portale wurden gesprengt und verschüttet. Nichts desto Trotz sind auch heute noch etliche Spuren dieser nie fertig gestellten Bahn mehr oder weniger gut zu finden.

In diesem Bericht geht es zunächst um die Anlagen zwischen dem Ort Treis und der nördlichen Tunnelmündung. Bei Gelegenheit werde ich dann auch die südliche Mündung und die Viadukt-Trasse quer durch den Ort Bruttig darstellen.

Ein Klick auf das Bild führt Euch zu einem kleinen Bilderbericht:

Bild

Lupushortus
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Beitrag von Lupushortus » Montag 17. April 2006, 17:04

Hallo Jörg,

das sind wirklich interessante Bilder! Solche stillgelegten bzw. nie zu Ende gebauten Bahnstrecken üben schon eine gewisse Faszination aus!

Viele Grüße
LH

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Mercator
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Bruttig

Beitrag von Mercator » Montag 17. April 2006, 19:01

Hallo! Dann lohnt sich ein Besuch für den Eisenbahnarchäologen :wink: dort mit Sicherheit! Werde mir das auch mal unter die Lupe nehmen bzw. auf meine immer länger werdende Liste schreiben.
DB AG: Kein Börsengang auf Kosten der Kunden!

mi82an
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Beitrag von mi82an » Donnerstag 20. April 2006, 09:27

Habe letztens eine Schifffahrt von Cochem bis zur Staustufe Bruttig-Fankel gemacht.
Vom Schiff aus war bei der Ortschaft Bruttig-Fankel ganz deutlich ein Bahndamm zu erkennen (nicht zugewachsen). Das dortige Tunnelportal war auch noch relativ gut zu sehen.
Die länge der sichtbaren Strecke ist etwa 1 km.
Mann kann sogar noch zwei kleinere Viadukte sehen.

Ich meine sogar, zu Anfang der Ortschaft Bruttig eine Art Bahnhofsgebäude gesehen zu haben (kann auch ein Irrtum sein).

Die Geschichte von dem KZ wurde bei uns in der Schule durchgenommen.
In den anliegenden Gemeinden wird sie jedoch gerne totgeschwiegen.
Es gibt auch ein Buch über das KZ und den Bahnbau (Titel nicht genau bekannt).


Gruß Andreas

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Jörg Neidhöfer
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Beitrag von Jörg Neidhöfer » Donnerstag 20. April 2006, 17:41

Hallo Andreas,

der Bahndamm unterstrom von Bruttig (zwischen Autobrücke und ehem. Tunnelportal) ist noch sehr gut zu erkennen. Auch die gesamte Gemeinde Bruttig ist von der Trasse durchtrennt. Das Gebäude ist vermutlich die Blechhalle (?), die auf dem Südlichen Ende des Bahndammes (Richtung Ortsteil Fankel) steht. Man könnte vermuten, das sie was mit der Bahn zu tun hat, ich glaube es aber eher nicht.
Diese südliche Seite der Strecke werde ich in einem weiteren Bildbericht in nächster Zeit mal darstellen.

Die Betonklötze in Bruttig markieren in etwa das ursprüngliche Tunnelportal, die Portale wurden im 2.WK als Bunkereingänge umfunktioniert.

Das Buch das Du wahrscheinlich meinst heißt "Ich hab immer nur den Zaun gesehn" von Ernst Heimes.

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Musseler
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Re: Spurensuche an der Mosel

Beitrag von Musseler » Donnerstag 24. September 2009, 22:50

Hallo Jörg,

der Thread ist zwar schon etwas älter, aber auch ich habe mich von Kindesbeinen an für diese Strecke interessiert.
Meine Großmutter väterlicherseits hat mich in jungen Jahren des öfteren mit dorthin (gegenüber Pommern) genommen, um Äpfel zu pflücken und sie dann der dem Brenner zur Erzeugung von ein paar guten Stöffchen zu überlassen. Sie berichtete, dass zumindest auf der Treiser Seite des Tunnels bereits Schienen gelegen hätten, wobei ich Sie leider heute nicht mehr fragen kann, ob es bereits die "richtigen" und nicht die Feldbahngleise für den Bau des Tunnels waren.

Was ich mich auch immer gefragt habe:

Wie hätte der Streckenverlauf ausgesehen? Anbindung Karden? Moselquerung zwischen Fankel und Ellenz? Einbindung Gleisdreieck Eller? Alles schon gehört und gelesen, aber nie verifiziert! Beilstein stand damals wohl schon als Ganzes unter Denkmalschutz, sodass eine Trasse mittendurch á la Winningen mit Viadukt wohl nicht in Frage kam......

Weißt Du mehr?

Gruß
Eric

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Musseler
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Re: Spurensuche an der Mosel

Beitrag von Musseler » Donnerstag 24. September 2009, 23:06

..Als Nachschlag noch ein link

http://groups.google.de/group/de.etc.ba ... %2BBruttig

Gruß Eric

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Jörg Neidhöfer
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Re: Spurensuche an der Mosel

Beitrag von Jörg Neidhöfer » Freitag 25. September 2009, 15:12

Hallo Eric,

im Mittelrheinforum hatte ich noch ein paar Links und Bilder aus dem Tunnel ergänzt. Der Einfachheit halber setze ich hier einfach mal einen Link dorthin.

Meines Wissens sollte die "rechte Moselstrecke" von Trier bis etwa Bullay mit Ausnahme des "Quinter Viadukts" parallel zur vorhandenen Strecke laufen. Wobei mir unklar ist, ob der Abschnitt Bullay - Bengel wirklich parallel laufen sollte (Hangviadukt?) oder die Trasse über eine Brücke nach Alf, durch das Alftal bis zum Reiler-Hals-Tunnel geführt werden sollte. Ich hab jedenfalls von beiden Versionen schon gehört.

Unterhalb des Neefer Petersberg-Tunnels sollte die Strecke dann entlang des rechten Moselufers bis Bruttig-Fankel führen, dort durch besagten Tunnel, und dann weiter am rechten Ufer, bis die beiden Strecken an der Gülser Brücke wieder zusammenfinden.

Gleise lagen auf Bruttiger Seite, allerdings im "Feldbahn-Format" beim Bau der Tunnelröhre. Davon gibt es auch ein Bild, das Arbeiter und Feldbahnloks zeigt.

Übrigens gehört auch die Engerser Rheinbrücke zwischen Neuwied-Engers und Urmitz zum Projekt "rechte Moselstrecke". Das ist auch der einzige Streckenabschnitt, der jemals fertiggestellt wurde.

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